vendredi 11 mai 2018

Im Lesecafé an der versteckten Straßenecke

Der Himmel war hellgraufarben. Regenschwere dunkelgraue Wolken galoppierten donnernd, wie vor Wut schäumende Wildpferde quer über das milchige Grau. In einer Ecke des Himmels blitzte es. In der anderen Ecke des Himmels zeigte sich der Viertelmond zwischen friedlichen Wattewolkenkissen.
Die Bäume schütteln sich noch einmal im Wind wie regennasse Hunde und dann ist es still. So als würde alles innehalten. Die Ruhe nach dem Sturm.

Im Lesecafé an der versteckten Straßenecke, saß sie auf ihrem Lieblingsplatz in der rechten Ecke vor dem Bücherregal. Sie verlor sich fast in der pflaumenfarbenen Polsterecke. Auf dem runden Tisch stand eine große blaue Tasse mit weißen Punkten mit duftendem Milchkaffee.
Sie sah immer wieder mit neugierigem Blick zur Tür.
Sie wartete auf ihn.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sah sie ihn  in der Tür stehend und suchend um sich zu blicken.
Sie rief seinen Namen und er erkannte ihre Stimme.
Er sah sie nicht. Er sah sie nicht mit den Augen. Er sah weder die Farbe ihrer Augen, noch die ihres Haares. Er sah weder ihr Lächeln, noch ihre Traurigkeit.
Sie eilte auf ihn zu, nahm seine schmalen zitternden Hände und drückte sie fest.
Er fühlte ihre warmen samtweichen Lippen auf seiner Wange als er sie stürmisch umarmte.
Mit seinen Händen umrahmte er ihr Gesicht. Seine Finger zeichneten zärtlich über die weichen Konturen ihres Gesichts.
"Wie wird es sich anfühlen, wenn er meinen Körper ganz entdeckt. Das was ihm bis anhin noch verborgen blieb?" dachte sie.
"Du machst mich neugierig auf dich," sagte er mit einem leisen Zittern in der Stimme.
Sie lächelte verlegen.
Er fühlte ihr verlegenes Lächeln mit anderen Augen. Er sah sie gut mit seinen Herzaugen. Mit den Fingerkuppen zeichnete er die Konturen ihrer lächelnden Lippen nach.

Zehn Minuten nach Mitternacht küsste er sie gutenacht und gutenmorgen, drückte sie noch einmal an sich, fühlte ihre fröstelnde Haut unter seinen Händen. Er drückte sie noch einmal ganz fest an sich, vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.

"Wir sehen uns später," flüsterte er zwischen zwei Küssen.
" Aber ja, wir sehen uns später," wiederholte sie.

Er fühlte die Frische aus der Farbe ihrer Stimme. Er fühlte ein Ja und lächelte verträumt als er ihre  Hand losließ und ging.
Er sah ihr nach, drehte sich noch einmal und noch ein weiteres Mal um, als würde er sie sehen und ging.
Sie sah ihm lächelnd nach und als er sich umdrehte winkte sie ihm zu.
Dann fuhr sie davon.

Das erste Mal, dass sie jemanden liebte - ein guter Freund -. Sie liebte ihn, so sehr wie sie lieben konnte. Und er liebte sie auf eine Art die ihr jeden Freiraum nahm.
Aber dann, nach einigen Wochen entschied sie vernünftig, dass sein Herz nicht der Ort waren, an dem sie ein Haus bauen wollte. Also verließ sie ihn. Es war vernünftiger so.
Lange hat sie an ihren Herznähten gearbeitet. Finger nähten so flink sie konnten und hinterließen schmerzende Lücken. Jenseits aller Vernunft, vermisste sie ihn.

Und jedes Mal, wenn jemand an ihre Herztür klopfte, liebte sie wieder und wieder. Sie liebte immer anders. Und sie nähte immer wieder an ihren Herzhäuten, bis eines Tages die Säume so ausgefranst waren, dass ich sie nicht reparieren konnte.

Ab da verliebte sie sich nicht mehr.

Er liebte sie immer noch sehr und all die Jahre konnte er sie nicht vergessen.

Jedes Mal wenn sie in der Stadt war, trafen sie sich in ihrem "Versteckten Lesecafé" und redeten über ihr Leben und über ihren Alltag. Sie redeten nie über die Liebe, nie über das Vermissen, nie über das Gefühl der Leere im Herzen.
Mit der Zeit verblassen Lieben. Aber diese ihre verblasste nicht.
Immer wenn sie sich trafen, lebten sie ihre Liebe auf.
Nur einen Cafe lang schlugen ihre Herzen für einander.
Dann trennten sie sich wieder.

An einem regnerischen Sonntagmorgen trafen sie sich erneut zur Caféliebe. Der Sonntagmorgenregen klopfte monoton an die Fensterscheiben des Café's.

In der Vase hielten ein paar traurige Blumen ihre Köpfe gesunken. Draußen weinten traurige Blumen im Regen. Eine Kerze flackerte ungeduldig und spiegelte sich in ihren Augen, als würde sie auf ein Wunder warten.
"Ist Liebe genug? Ist Liebe wirklich genug in dieser verrückten Welt, in meiner blinden Welt, um die Lücke zwischen unserem Kopf und unserem Herzen zu schließen?" flüsterte er. "Damit wir uns auf heute konzentrieren können? Kann sie Hindernisse überqueren und auch überleben, egal wie schwer sie sind? Ist Liebe wirklich Jahr für Jahr gedacht, Zweifel überwinden und tief sitzende Ängste besänftigen?"
"Uns fehlt der Mut, es herauszufinden," antwortete sie traurig. "Und wenn wir den Mut aufbringen, fehlt es uns an Geduld und Kraft durchzuhalten."

"Wenn Liebe diese Welle von Emotionen, die einem wegfegt wenn sie einen  Herzschlag mit einem anderen Herzschlag verbinden ist, wird sie auch in der Lage sein, alle Hindernisse niederzureißen und bestehen bleiben. Meinst du nicht?"
Sein Atem streifte das Kerzenlicht, das ungeduldiger den je zitterte, als würde es sagen wollen. "Macht schon, ihr Idioten. Spricht euch aus."
"Ich denke deine Liebe und meine Liebe sind wirklich magisch und wirklich stark genug um es mit dem Rest der Welt aufzunehmen." Sie legte ihre kleine Hand auf seinen Unterarm.


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